Die fünfjährige Flaute bei der Rekonstruktion
des Stadtkanals ist zu Ende. Fördervereinschef Siegfried Benn fiel gestern sichtlich
ein Stein vom Herzen. Er habe sich schon seit zwei Jahren nicht mehr getraut, potenzielle
Spender anzusprechen, gestand er. Doch nun kann der unerschütterliche Benn wieder
handfest planen und realistisch träumen. Umweltminister Dietmar Woidke übergab
ihm die lange ersehnte Plangenehmigung des Landesumweltamtes für den Kanalabschnitt
von der Havelmündung bis zur Berliner Straße. Er misst 412 Meter
knapp ein Viertel der 1860 Meter Gesamtlänge des zugeschütteten Wasserlaufs.
In zwei Jahren könnte der Kanalsprint von der Yorckstraße hierher
verlagert werden. Die Strecke ist länger und es wird billiger, weil wir kein Trinkwasser
einfüllen müssen, sagte Benn. Baustart werde im November sein, ein
Jahr später soll Havelwasser zunächst bis zur großen Platane vor dem
einstigen Offizierscasino fluten. Um den historisch verbürgten Gestank zu verhindern,
wird eine Pumpe für Bewegung und Sauerstoff sorgen. Der Wasserlauf werde 1,3 Meter
tief sein, sagte Projektplaner Ludwig Obermeyer.
"Dieser erste Abschnitt wird 1,5 Millionen Euro kosten und ist laut Benn durch Spenden abgedeckt. Für den Nachbau der Kellertorbrücke fehlen noch Sponsoren. Zwischenzeitlich habe sich der Unternehmer, der die 550 000 Euro schon zugesagt hatte, wegen eines Denkmalstreits mit der Stadtverwaltung verärgert zurückgezogen. Jedenfalls fast; der Mann habe einen „Trostpreis“ von 50 000 Euro in Aussicht gestellt, sagte Benn.
Das zweite Kanalstück bis zur Berliner Straße werde etwa 4,5 Millionen Euro kosten. Der Förderverein setzt auf Landeszuschüsse aus dem Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“. Den Anteil der Stadt will Benn durch Arbeitsleistung erbringen. Die Firma Bausetra habe ihre Bagger angeboten, man werde in größerem Umfang Lehrlinge des Bildungsvereins Bautechnik für alle Gewerke einbeziehen. „Das ist besser, als wenn sie auf dem Bauhof jahrelang bloß Lehmmauern errichten und wieder abreißen“, sagte Benn.
Nach ein paar Querelen sind auch das gute Nachrichten: Der für das Gebiet zuständige Sanierungsträgerchef Erich Jesse hat Benn geschrieben, er wolle Mitglied des Fördervereins werden. Und Jann Jakobs, der sich zuversichtlich zeigte, eines Tages durch den ganzen Kanal paddeln zu können, bezahlt einen der Geländerpfosten für 1050 Euro.
Für Rückfragen und Informationen steht zur Verfügung: Siegfried Benn
0331 / 270 55 39 sowie Henning Krentz Tel.: 0331 / 289 12 76
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